Durch das Alte Dorf gelangt man zum Uenglinger Tor, eines von zwei heute noch erhaltenen Stadttoren, Es entstand um 1450/60 und ist nach dem Holstentor in Lübeck wohl das schönste mittelalterliche Stadttor im Gebiet der norddeutschen, Backsteinbauweise. Zugeschrieben wird es Steffen Boxthude, der zu den bedeutendsten Baumeisterpersönlichkeiten des 15. Jahrhunderts in Norddeutschland zählt. Es steht von der Gesamtanlage, die einmal größer war, noch der Turm mit einer spitzbogigen Durchfahrt. Darüber erhebt sich ein quadratischer Backsteinbau mit zinnenbesetzter Plattform, vier erkerartigen Ecktürmchen und einem runden Turmaufsatz. Die Höhe des Turmes beträgt 27,5 Meter. Mit seinem reichen Schmück an Friesen, Blendnischen und Stabwerk demonstriert er nicht nur die Wehrhaftigkeit der Stadt, sondern auch das Repräsentationsbedürfnis der hansischen Kaufmannsschaft. Ein solches Tor war einmal eine regelrechte kleine Festung innerhalb des Zuges der Stadtmauer. Es gab noch ein Vortor auf der Feldseite, das mit dem Turm durch Mauern so verbunden war, daß zwischen beiden ein zwingerartiger Hof entstand. In den Jahren von 1983 bis 1986 erfuhr der Turm eine Generalinstandsetzung durch die damalige Kooperationsgemeinschaft des Bauwesens des Kreises Stendal. Seither wird er als Aussichtsturm genutzt. Von seiner Plattform aus hat man einen weiten Blick über die Stadt und ihre Umgebung.
Stendal hatte wie andere Städte auch, im Mittelalter eine Befestigung. Sie bestand aus zwei Wällen zwei Gräben, die ihr Wasser von der Uchte erhielten, und einer Mauer mit vier Toren. Da die Bürge sie als Einengung empfanden, wurde sie im 18 und; 19. Jahrhundert als Steinbruch genutzt und abgebrochen. Wälle und Gräben wurden weitgehend eingeebnet. Die Stendaler gestalteten im 19 Jahrhundert den Innenwall, der einmal die Stadtmauer trüg, zu einer Promenade, die noch heute als grüner Ring fast vollständig erhalten ist und unter Denkmalschutz steht, wie die historischen Bauwerke.
Im Norden der Altstadt, zwischen Uenglinger Tor und Schützenhaus, wurde im späten Mittelalter die Befestigungsanlage noch zusätzlich durch einen dritten Wall und Graben verstärkt. Ein glücklicher Zufall wollte es, daß gerade dieser Bereich, der an eines der schönsten Stadttore Norddeutschlands anschließt, verhältnismäßig wenig Veränderungen erfuhr. In seiner ursprünglichen Höhe erhalten, beginnt der Innenwall unmittelbar am Torturm, Vorhanden ist auch noch der Mittelwall, während der Außenwall eingeebnet wurde. An seiner Stelle verläuft heute eine Straße (Nordwall). Die Promenade führt hier auf dem Mittelwall entlang, zunächst bis zur Wendstraße. Der Verlauf der einstigen Stadtgräben ist noch an dem tiefer gelegenen Gelände rechts und links deutlich zu erkennen. Dort befinden sich jetzt Kleingärten. An der Wendstraße ist noch ein letztes Stück Stadtmauer mit einem Wiekhaus erhalten geblieben. Bis zum Schützenplatz führt die Promenade dann weiter auf dem Innenwall.
Der Stadtentwicklungsplan sieht vor, den gesamten Wallbereich zu erneuern. Das bedeutet für den Norden der alten Hansestadt, das tief gestaffelte Verteidigungssystem der mittelalterlichen Wälle und Gräben wieder besser erkennbar werden zu lassen, Damit wird ein Erlebnisbereich geschaffen, wie sie ihn nicht jede alte Stadt bieten kann.