Beherrscht wird der Marktplatz von der Baugruppe des Rathauses und der mächtigen Turmfront der Rats- und Hauptpfarrkirche St. Marien. Hier bietet sich noch heute eines der schönsten alten innerstädtischen Platzbilder Norddeutschlands. Stendals Zugehörigkeit zur Hanse sollte sich schon sehr früh zeigen, Bereits 1177 wurde in Lübeck, dem später führenden Ort der Hanse, ein angesehener Bürger Gerhard aus Stendal erwähnt. Im Jahre 1188 wurde in Stendal ein Kaufhaus genannt, das wohl auch als Rathaus genutzt wurde und schon damals zwei Funktionen hatte. Der heutige Bau entstand im wesentlichen im 15. Jahrhundert, als die Stadt eine wirtschaftliche Blütezeit erreicht hatte. Das Haus veranschaulicht den Reichtum des damaligen städtischen Patriziats wie auch die Macht der alten Ratsgeschlechter. Gleichzeitig bekundet das Rathaus die Selbstverwaltung der Stadt wie Bürgerstolz und Freude am Gestalten.

Das Stendaler Rathaus ist ein Gruppenbau, der sich aus mehreren unterschiedlichen Teilen zusammensetzt. Am Anfang des 15. Jahrhunderts entstand der rote Backsteinbau mit der sich zum Markt hin öffnenden Gerichtslaube. Hier tagte das Marktgericht. Mitte bis Ende des 15. Jahrhunderts kam ein langgestreckter, parallel zur Gerichtslaube liegender Trakt hinzu: das Gewandhaus. Beide Bauabschnitte zeigen auf ihrer Südseite zwei spätgotische Backsteingiebel, die in ihrer ursprünglichen Form erhalten sind.
Ende des 15. Jahrhunderts erweiterte man das Haus noch um den sogenannten Corpsflügel (Hauptflügel), der schräg in den Markt hineinragt und der Achse der Marienkirche folgt. Sein Äußeres hat man im 16. Jahrhundert im Stil der Renaissance verändert und mit Schweifgiebeln und drei Zwerchhäusern auf dem Dach versehen. Der Corpsflügel wurde damals mit dem Gewandhaus durch einen Schwibbogen und ein gemeinsames Treppenhaus verbunden. Letzteres besitzt ein bemerkenswertes Renpissanceportal mit einem als Löwenkopf gestalteten Schlußstein, Bis heute ist der alte hölzerne Türflügel erhalten geblieben. Schließlich wurde im 19. Jahrhundert links von der Haustür ein äußerlich der Renaissance nachempfundener Baukörper hinzugefügt.
Im Corpsflügel sind die gotischen Gewölbe aus der Zeit um 1500 erhalten. Im sogenannten Kagelwitzimmer (heute Arbeitszimmer des Oberbürgermeisters) im Obergeschoß befindet sich ein Sterngewölbe mit einem hölzernen Schlußsteinrelief. Es zeigt einen Mann mit einem Spruchband, bei dem es sich um den Kurfürsten Joachim I. handeln könnte, der 1502 in Stendal seine Vermählung mit der dänischen Prinzessin Elisabeth feierte. Nach alter Überlieferung sehen die Stendaler darin den Magdeburger Erzbischof Dietrich von Portitz (1361-1367), vermutlich der Sohn eines Stendaler Tuchmachers. Nach seiner weißen Kutte des Zisterzienserordens Kagelwit genannt.

Verbunden mit dem Rathaus ist das Gewandhaus. Der Ratskeller umfaßt eine langgestreckte zweischiffige Halle, deren Kreuzrippengewölbe von einer Pfeilerreihe getragen wird. Ursprünglich war dieser Raum die Kaufhalle der Gewandschneidergilde, in welcher sich die Großkaufleute der Stadt zusammengeschlossen hatten. Sie allein besaßen das Vorrecht, mit ausländischen Tuchen handeln zu dürfen und das des Gewandschnittes (Verkauf vom Ballen für das Gewand des Kunden). Der Reichtum der Stendaler Großkaufleute beruhte nicht zuletzt auf dem Handel, auch Zwischenhandel, mit flandrischen Tuchen. Die mittelalterliche Hansestadt Stendal war einer der größten Handelsplätze Norddeutschlands. Umfangreiche Verbindungen bestanden zu den Seestädten Hamburg und Lübeck wie nach Flandern. Auch nach Süden erstreckten sich die Geschäftsverbindungen Stendaler Kaufleute, nach Erfurt, Nürnberg, Augsburg und selbst bis Tirol.
Im Obergeschoß des Gewandhauses befindet sich der "Bunte Saal" (Festsaal), ein Renaissanceraum des 16. Jahrhunderts mit flacher Holzbalkendecke. Seine heutige Gestaltung erfuhr er im wesentlichen 1939/40. Zwei Buntglasfenster von Eberhard von Otterstedt aus Ballenstedt / Harz zeigen vier Bilder aus der mittelalterlichen Geschichte der Stadt. Über den Fensternischen befinden sich seitdem die Siegelzeichen verschiedener Hansestädte beziehungsweise von Städten mit Hansekontoren: Stendal, Salzwedel, Tangermünde, Lübeck, Bergen, Riga und andere. Gegenüber liegt die Große Stube (Ratssitzungssaal, kleiner Sitzungssaal). Diese alte Ratsstube enthält als besondere Kostbarkeit eine mit reichem Schmuck versehene Schnitzwand von 1462. Sie ist Teil einer ehemaligen Gesamtvertäfelung des Raumes und die älteste erhaltene profane Schnitzwand Deutschlands, älter als die berühmten Holzvertäfelungen in den Rathäusern zu München (1481) und zu Goslar (um 1500). Noch Mitte des 18. Jahrhunderts war die Vertäfelung vollständig erhalten. Sie zeigte den Kaiser und die sieben Kurfürsten des Reiches, unter ihnen den Markgrafen von Brandenburg. In den Kurfürsten sah man die eigentlichen Träger der Reichsgewalt. Erhalten blieb die Darstellung des Erzbischofs von Köln, einer der drei geistlichen Kurfürsten. Die Wand zeigt ferner zwei Szenen aus dem Alten Testament: Jonas mit dem Walfisch und Simson, den Löwen zerreißend. Über der reich gestalteten Tür befinden sich zwei städtische Wappen, ein älteres, das auch im Sekretsiegel der Stadt gezeigt wurde, und das noch heute geführte Wappenbild.Von der alten Ausstattung sind weiterhin ein Renaissance-Kamin im Vorraum der beiden Säle und an anderer Stelle eine Tür mit spätgotischen schmiedeeisernen Beschlägen erhalten. Ein Renaissance-Kachelofen, der einmal im Rathaus stand, ist heute im Altmärkischen Museum zu sehen.