Der Domplatz ist einer der schönsten Plätze innerhalb der Stendaler Altstadt. Er wird umgrenzt von einer Doppelreihe alter Bäume und ist als Grünanlage gestaltet. Beherrscht wird er vom Dom, eine der reifesten Schöpfungen der norddeutschen Backsteingotik.
Graf Heinrich von Gardelegen, ein Enkel des Markgrafen Albrecht des Bären, plante, ein altmärkisches Bistrum zu errichten. Zu diesem Zweck ließ er im benachbarten Tangermünde an der Elbe eine erste Stephanskirche errichten. Doch wandte er sich bald Stendal zu, da es infolge seines wirtschaftlichen Aufschwungs von beiden der bedeutendere Ort war. So gründete er 1188 das Chorherrenstift St. Nikolaus. Es stand unter besonderem Schutz des Markgrafen von Brandenburg und des Papstes. Von Anfang an war es das Wahrzeichen der kirchlichen Macht in Stendal wie in der Altmark und bestimmte das geistige und kulturelle Leben in der Stadt. Mit reichem Grundbesitz ausgestattet, bildete es auch wirtschaftlich den Gegenpol zur weltlichen Macht der führenden Kräfte der Hansestadt. Anfangs bestand das Kollegiatstift aus einem Probst, einem Dechanten und zehn Domherren.

Der romanische Gründungsbau dürfte stilistisch der nach 1148 begonnenen Kirche St. Marien und St. Nikolaus des ehemaligen Prämonstratenser- Stiftes in Jerichow / Elbe vergleichbar gewesen sein.
Die heutige gotische Stiftskirche entstand zwischen 1423 und 1463. Nur die Untergeschosse der Türme wurden vom Vorgängerbau übernommen. Die Kirche ist eine dreischiffige Halle mit Querhaus und einschiffigem Hochchor. Vom Domplatz bietet sich der schönste Blick auf das eindrucksvolle Bauwerk, ein Denkmal von internationalem Rang. Der Giebel des nördlichen Querhauses, vermutlich von Steffen Boxthude geschaffen, ist die eigentliche Schauseite der Kirche. Über einem großen fünfteiligen Fenster erhebt sich ein Staffelgiebel, der mit Blendmaßwerk reich verziert ist. Darunter sind zwei Sechssterne zu sehen, sogenannte Davidssterne. Rechts und links vom Sandsteinportal, das als Haupteingang verstanden werden soll, stehen die beiden Schutzheiligen der Kirche, Nikolaus und Bartholomäus, zwei Sandsteinplastiken aus der Zeit um 1370/80.
Das Innere des Domes ist im Gegensatz zur gleichzeitig errichteten Hauptpfarrkirche St. Marien von sakraler Strenge und erinnert an eine hochgotische Kathedrale. So besitzt die Kirche auch einen massiven Lettner. Er trennt das Langhaus .(Laienraum) vom Chorraum, der nur von der Geistlichkeit betreten werden durfte. Zum Langhaus hin besitzt der Lettner einen Ambo (Lesebühne). Dieser wird von zwei romanischen Sandsteinsäulen getragen, die vom Gründungsbau übernommen worden sind. Von ihm stammt auch ein Relief aus der Zeit um 1240, das sich heute auf der Chorseite des Lettners befindet, mit acht Szenen aus dem Neuen Testament.
Der größte Schatz des Domes aber sind seine Glasmalereien. "Unter den deutschen Kirchenbauten des späten Mittelalters kann wohl nur der Stendaler Dom eine derartige geschlossene Folge gleichzeitiger Farbfenster aufweisen. Alle zwölf hohen Fenster des Chores sind farbig verglast, ebenso die sechs Querhausfenster und die vier östlichen des Südseitenschiffs. Besonders Chor und Querschiff präsentieren sich damit als ein Raumkunstwerk höchsten Ranges. Diese seltene Geschlossenheit gibt ihnen jene Lichtwirkung, ein leuchtendes Schweben zwischen Rot und Blau, Grün, Gelb und silbrigem Grau, die noch viel vom originalen Eindruck bewahrt" (K.-J. Maercker). Dargestellt sind die Kindheit und die Passion Christi und Apostel- und Heiligenlegenden. In der Zeit von etwa 1425 bis 1465 sind die Fenster entstanden. Zwei Werkstätten müssen hier tätig gewesen sein. Beeinflußt waren sie von Böhmen her und von westniederdeutscher und niederländischer Malerei.
Zur gleichen Zeit, etwa bis um 1429, ist das eichene Chorgestühl entstanden mit insgesamt 66 Sitzen. Es gehört mit seinen hohen künstlerisch gestalteten Wangen zum sogenannten geschlossenen Typ, wie er in Nord- und Ostdeutschland bevorzugt wurde. Dargestellt sind alttestamentliche Szenen und Propheten mit Schriftbändern. Die Misericordien unter den hochklappbaren Sitzen sind mit den verschiedensten Schmuckmotiven versehen, darunter auch weltliche Darstellungen des Lasters und der Tugend.
Zur übrigen Ausstattung des Domes gehören unter anderem ein Dreikönigsaltar aus der Zeit um 1420/30 und ein romanisches Taufbecken, im Dom seit 1946. Die Kanzel gehört in das Jahr 1744. Die Orgelempore aus dem späten 19. Jahrhundert trägt eine große Kirchenorgel mit 4343 Pfeifen. Ihr Prospekt gehört in das Jahr 1670.
Zur Ausstattung gehören ferner eine Reihe von Grabsteinen und Epitaphien von der Zeit der Gotik bis in das 18. Jahrhundert.
An der Südseite des Domes liegen die Stiftsgebäude: Das Kapitelhaus mit dem Kapitelsaal von 1463 und der Kreuzgang mit Arkaden aus dem 13. Jahrhundert.
Am 8. April 1945 wurde der Dom bei einem amerikanischen Luftangriff schwer getroffen. Eine Luftmine schlug in das südliche Querhaus ein und verwüstete das Dominnere. Der westliche Kreuzgangflügel wurde völlig zerstört und konnte nicht wieder aufgebaut werden. Die Beseitigung der Schäden begann bereits 1946 und war verbunden mit der Wiederherstellung des Domes, vor allem der Buntglasfenster. Sie wurden während des Krieges ausgelagert und blieben somit erhalten.
Im Herbst 1989 versammelten sich im Dom allwöchentlich viele Menschen zum Friedensgebet, um anschließend bei den Montagsdemonstrationen die langersehnte Freiheit zu fordern, die sie dann auch endlich nach vielen Jahren gewinnen konnten.
Die Domherren des Domstiftes wohnten in Häusern, die am Domplatz lagen, den sogenannten Kurien. Heute stehen an ihrer Stelle ehemalige Freihäuser, wie wir auf unserem Stadtrundgang bereits eines im Alten Dorf sahen, Am Dom 12/13 ist ein zweigeschossiges Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert mit einer Wappentafel aus Sandstein über der Tür. Das Haus wurde gemeinsam von den beiden Partnerstädten Lemgo in Westfalen und Stendal restauriert, um zu einem Haus der Begegnung zu werden. Das Haus am Dom Nr. 14 ist ein ehemaliges Freihaus von 1768 und das Haus Nr. 15 ist ein solches von 1745. An ihm befindet sich eine Gedenktafel für Carl Friedrich Friccius, Sohn eines Stendaler Bürgermeisters, der hier 1779 geboren wurde. Er war Adjutant des Generals Neit-hard von Gneisenau und soll 1813 in der Völkerschlacht gegen Napoleon an der Spitze der Königsberger Landwehr das Grimmaische Tor in Leipzig erstürmt haben.
Im Stil der englischen Gotik wurde im Jahre 1879 am Domplatz der Backsteinbau des Land- und Amtsgerichtes erbaut.